Integrierte Versorgung ist Zukunftsvorsorge PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Christian Tylsch   
Donnerstag, 06. Dezember 2007 um 00:00

Kurt Brumme, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, hält die integrierte Versorgung für einen wichtigen Standortfaktor Sachsen-Anhalts. Im integra-Interview erklärt er, warum.

 


Gesundheitspolitik ist in erster Linie Aufgabe des Bundes. Welche Rolle spielt das Thema integrierte Versorgung in Ihrer Arbeit als Landtagsabgeordneter?
Kurt Brumme: Wenn es um gesundheitspolitische Fragen geht, kommt man an diesem Thema nicht vorbei. Zum einen, weil es insbesondere für die Zukunftsplanung der Krankenhäuser, für die das Land mit Verantwortung trägt, von großer Bedeutung ist. Zum anderen wird die integrierte Versorgung, insbesondere die Anschubfinanzierung, auch kontrovers diskutiert. Und drittens interessieren sich auch Kollegen aus anderen Bundesländern für das, was Sachsen-Anhalt auf diesem Gebiet vorzuweisen hat.

 

Woher rührt dieses überregionale Interesse?
Kurt Brumme: Während man in den meisten Bundesländern rst nach der Gesundheitsreform 2004 über integrierte Versorgung nachzudenken begann, waren die Sachsen-Anhalter ier schon zwei Jahre früher aufgestanden. Dieser Vorsprung zahlt sich heute in Form eines überdurchschnittlich breit gefächerten Angebots und hohen Behandlungszahlen aus. Zudem nimmt integra als einziges überregionales Netzwerk er integrierten Versorgung in Deutschland eine Sonderstellung ein. Das macht natürlich neugierig.

Sie erwähnten die Krankenhausfinanzierung. Warum ist die integrierte Versorgung dabei so bedeutsam?
Kurt Brumme: Erhalten die Kliniken gegenwärtig noch ein jährliches Grundbudget, so werden ihnen ab 2009 nur noch die tatsächlich behandelten Fälle vergütet. Auch hier ist Sachsen-Anhalt vorgeprescht, indem es als erstes Bundesland die bis dahin übliche Bettenplanung abgeschafft und durch einen Rahmenplan ersetzt hat. In diesem Rahmen konnten die Kliniken relativ frei ein eigenes Profil entwickeln. Das hat auch die integrierte Versorgung mit beflügelt. Ein funktionierendes Netzwerk von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern wie integra ist eine Form der Zukunftsvorsorge - für die beteiligten Kliniken, die Ärzte, die Patienten und die Krankenkassen gleichermaßen. Die hohen Qualitäts- und Zufriedenheitswerte aus begleitenden wissenschaftlichen Studien zeigen, dass der hier eingeschlagene Weg richtig ist.

Die Anschubfinanzierung für die integrierte Versorgung bietet dennoch Anlass für kontroverse Diskussionen. Welche Position vertreten Sie dabei?
Kurt Brumme: Mit der Gesundheitsreform 2004 wurde festgelegt, dass ein Prozent aus den Budgets von Vertragsärzten und Krankenhäusern als Anschubfinanzierung bereit gestellt wird. Das war richtig, um die Entstehung der notwendigen Strukturen zu fördern. Für eine solche Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern gab es ja keine Erfahrungen und keine Schnittstellen, keine Honorierungsmodelle, keine Organisationsstrukturen.

2008 soll die Anschubfinanzerung auslaufen. Ein Ihrer Meinung nach richtiger Schritt?
Kurt Brumme: Die integrierte Versorgung hat sich langsamer entwickelt als erwartet. Insofern sehe ich die Aufgaben der Anschubfinanzierung noch nicht erfüllt. Andererseits ist längst nicht überall, wo integrierte Versorgung drauf steht, wirklich integrierte Versorgung drin. Deshalb sollte bei der Mittelvergabe künftig kritischer hinterfragt werden: Wo entstehen wirklich Innovationen, wie etwa bei integra, und wo werden lediglich Parallelstrukturen aufgebaut oder vorhandene Behandlungswege umbenannt?
Es gibt noch viele Baustellen im Gesundheitswesen, die dringender Unterstützung bedürfen.

Welche ist die dringendste?
Kurt Brumme: Ein Drittel der niedergelassenen Ärzte in Sachsen-Anhalt sind heute 60 Jahre und älter. Dass so viele Mediziner demnächst in den Ruhestand gehen, wird nicht nur das Problem des Fachärztemangels dramatisch verschärfen. Auch Netzwerke der integrierten Versorgung werden dann vor dem Problem stehen, überhaupt noch Operateure zu finden.

Eine Zeitbombe, die angesichts der fast abgelaufenen Uhr kaum noch entschärft werden kann?
Kurt Brumme: Die Schwierigkeit für uns Landespolitiker ist, dass das Land im ambulanten Bereich praktisch keinerlei direkte Mitgestaltungsrechte hat. So halte ich engen Kontakt zu den verschiedenen Entscheidungsträgern, beispielsweise in der Bundespolitik oder bei der Kassenärztlichen Vereinigung, bringe die Interessen des Landes ein und versuche zu moderieren. In einem wichtigen Punkt, der Entlastung der Ärzte im ländlichen Raum von teilweise extremen Belastungen durch Notdienste, sollte zum Beispiel in absehbarer Zeit eine Lösung möglich sein. Optimistisch stimmt mich auch, dass sich die Möglichkeiten von integra unter Medizinern langsam als Standortvorteil Sachsen-Anhalts herum sprechen. Wir brauchen mehr solcher guten Nachrichten.

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