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In den ostdeutschen Bundesländern unterscheidet sich die Altersstruktur der Ärzte dramatisch von der in den alten Bundesländern. Überproportional viele Ärzte werden in den nächsten Jahren aus der Patientenversorgung ausscheiden.

Was ist die gegenwärtige Lage?

Die Statistik der Bundesärztekammer prognostiziert bis zum Jahr 2011, dass wahrscheinlich 23 000 Hausärzte (Allgemein- und Hausarztinternisten) auch wegen der gesetzlichen Altersgrenze für Vertragsärzte von 68 Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden werden – ohne dass der Ersatzbedarf aus dem nachwachsenden Reservoir ausreichend gedeckt werden könnte. Heute sind bereits in vielen Krankenhäusern Krankenhausplanstellen, vor allem von leitenden Ärzten, unbesetzt oder bleiben längere Zeit unbesetzt. In den Krankenhäusern in Ostdeutschland fehlen zurzeit rund 1000 Ärzte. In vier Ärztekammerbezirken (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt) ist die Zahl der ambulant tätigen Ärzte gesunken. In Sachsen-Anhalt ist auch die Zahl der Krankenhausärzte zurückgegangen, sodass dieses Bundesland einen Rückgang der berufstätigen Ärzte um 1,1 Prozent zu verzeichnen hatte.

Für die Ärzte im Krankenhaus bedeutet das, dass die ohnehin schon hohe Arbeitsverdichtung weiter zunehmen wird. Was heute drei Ärzte machen, muss demnächst ein Arzt erledigen. Das wiederum wirkt abschreckend auf den ärztlichen Nachwuchs, erhöht die Ärzteflucht und führt unweigerlich zum Ärztemangel, wie sich an der hohen Zahl unbesetzter Stellen zeigt. Im Osten Deutschlands können derzeit über die Hälfte der offenen Arztstellen nicht nachbesetzt werden, bundesweit sind es etwa 28 Prozent. Ein deutlicheres Alarmsignal kann es kaum geben. Was heißt das für den Patienten? Rationierung wird noch stärker spürbar werden. Zuwendung am Krankenbett ist unter solchen Bedingungen des Mangels kaum mehr möglich.
Auch spielt die Überalterung der Ärzteschaft eine große Rolle. 35 bis 40 Prozent der Hausärzte gehen in den kommenden zehn Jahren in Rente. Zugleich fehlen immer mehr junge nachrückende Hausärzte.

Aber nicht nur die hausärztliche Versorgung ist von dem Ärztemangel besonders betroffen. Auch in einigen fachärztlichen Gruppen zeigt sich, dass bereits Unterversorgung besteht bzw. droht. Insbesondere bei Augen-, Frauen-, Haut- und Nervenärzte sehen die Zahlen schlecht aus. Bei den Nervenärzten z.B. weist die Statistik aus, dass deren Zahl von 5.084 im Jahr 2002 auf 4.855 im Jahr 2006 gesunken ist. I
Wenn es heute nicht gelingt, ausreichend Praxisnachfolger zu finden, hat dies erst in zweiter Linie mit der Zahl der ausgebildeten Mediziner, aber sehr viel mit deren Selbstverständnis und beruflichen Vorstellungen zu tun. Denn immer mehr junge Mediziner entscheiden sich für nichtärztliche Berufe und gehen somit in die Forschung. Nicht mehr zu leugnen ist auch die Bereitschaft junger Ärztinnen und Ärzte – und mancher älterer –, ihr Glück im Ausland zu suchen. Viele dieser jungen Leute wollen nicht mehr um den Preis ihrer eigenen Gesundheit 60- oder gar 80-Stunden-Dienste in der Woche verrichten.

Unterschiedlich verteilen sich die Ärzte auf und in der Region. Dabei spielt in erster Linie nicht einmal das Gehalt eine so große Rolle. Viel wichtiger ist anscheinend die Attraktivität der Umgebung. Je weiter ein Praxisstandort von der nächsten größeren Stadt entfernt ist, je schlechter die überregionale Verkehrsanbindung, das kulturelle und gesellschaftliche Ambiente, desto geringer die Bereitschaft von Ärztinnen und Ärzten, sich hier niederzulassen

Mögliche Maßnahmen wären:

  1. Motivation junger Ärzte zur Niederlassung, z. B. durch finanzielle Anreize- z.B. Stipendien oder auch eine Mindestumsatzgarantie, sowie Investitionsförderung durch die Kassenärztlichen Vereinigungen und Länder in Form von zinslosen Darlehen
  2. vereinfachte Einstellung von Ärzten und die Teilzeittätigkeit niedergelassener Ärzte (Praxis- Splitting) ->erleichtert den Einstieg in die ambulante Versorgung ebenso wie die Berufsrückkehr nach Elternzeit oder nichtärztlicher Tätigkeit
  3. Aufhebung der Altersgrenze in unterversorgten Gebieten als Einzelfallregelung im Ermessen des jeweiligen Zulassungsausschusses
  4. Vorhaltung preiswerter Immobilien für die Einrichtung einer Praxis, ebenso Hilfe bei der Wohnungssuche
  5. Überarbeitung der Bedarfsplanungsrichtlinien
  • Aktualisierung der zugrunde liegenden Basisdaten
  • Einbeziehung der sich verändernden Mobilitätsentwicklung in der Bevölkerung
  • Stärkere Differenzierung der Verhältniszahlen in ländlichen Bereichen

 

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