Hochwasserschutz
Seit der Mensch begonnen hat sich anzusiedeln, tat er dies an verschiedensten Gewässern. Vorteile und Nachteile liegen hier eng beieinander wenn ein Hochwasser droht. Hochwasser sind eine natürliche Erscheinung des Wasserkreislaufes. Sie tretten immer dann ein, wenn in kurzer Zeit große Wassermengen in die Bäche und Flüße fließen. Dies kann sowohl Regen als auch Schmelzwasser sein. Wenn es über längere Zeiträume Hochwasser ausbleiben, kommt es vielfach dazu, dass das Bewußtsein abnimmt, in einem Hochwassergebiet zu leben abnimmt.
Die Natur kennt keine Hochwasserschäden. Hochwasser führt erst zu Schäden, wenn Nutzungen des Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden. Je intensiver das Überschwemmungsgebiet genutzt wird, desto größer sind das Schadenspotential und dann auch der Schaden, wenn das Hochwasser eintritt.
Seit dem Hochwasser im Jahre 2002 bin ich hochwasserpolitischer Sprecher meiner Fraktion und beschäftige mich intensiv mit dem Thema. Hier finden Sie einige Informationen zum Thema Hochwasser.


Fakten zum Thema Hochwasser PDF Drucken E-Mail

Das Hochwasser

Dessau liegt inmitten einer ausgedehnten Auenlandschaft beiderseits der unteren Mulde, die nördlich der Stadt in die Elbe mündet. Allerdings wird Dessau durch das Zusammenfließen der beiden Flüsse jährlich durch Hochwasser bedroht, da das Muldewasser dann nicht mehr in die Elbe abfließen kann und sich zurückstaut.
Hochwasserschutz hat hier eine besondere Bedeutung, bereits im 16. Jahrhundert wurde im Bereich Mildensee mit dem Deichbau begonnen.Dessau ist derzeit von rund 44 km Deich umgeben, viele Bereiche, wie der Vordere Tiergarten oder die Braunsche Lache sind seit Jahrhunderten natürliche Überschwemmungsgebiete.
Allerdings wurde beim Jahrtausendhochwasser im Jahr 2002 der Ortsteil Waldersee vollständig überflutet.
Bau und Instandhaltung der Deiche ist eine Aufgabe des Landes. Speziell der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), mit Sitz in Magdeburg, ist für die Pflege und Instandhaltung der Deiche im Land Sachsen-Anhalt zuständig.
 

Ursachen von Hochwasser

Hochwasser sind natürliche Ereignisse. Zum einen sind die Auslöser für Hochwassersituationen (Starkregen) zunehmend auf von Menschen gemachte Klimaveränderungen zurückzuführen und zum anderen sind die Auswirkungen von Hochwässern durch menschliche Eingriffe verschlimmert worden.
Dabei handelt es sich um:
  • Landgewinnung und Besiedelung;
  • Schiffbarmachung der Gewässer;
  • Maßnahmen des technischen Hochwasserschutzes.
All diese Aktivitäten führten zu einem Verlust natürlicher Überschwemmungsgebiete, in denen sich in der Vergangenheit die Flüsse ausbreiten konnten, ohne derart hohe personelle und finanzielle Schäden anzurichten wie heute.
Die oben genannten Eingriffe wirken sich in zweierlei Richtungen aus:
Zum einen verändern sie das Abflussregime der Gewässer. So bewirkt die Ausweitung von Wohn- und Gewerbegebieten die Versiegelung von Flächen, von denen der Regen schneller abfließt.
Auch die Umwandlung von Grünland in Äcker oder von Wald in Weide erhöht den Oberflächenabfluss, da die betroffenen Böden dann weniger Wasser speichern können. Die Böden werden zusätzlich verdichtet, wenn sie mit 3 schweren Maschinen bearbeitet werden.
Besonderen Einfluss auf die Erhöhung der Abflussscheitel haben die vielen Flussbegradigungen und Laufwegverkürzungen, die der Mensch im Laufe der Zeit an den größeren Fließgewässern insbesondere aus schifffahrtlichen Gründen vorgenommen hat.
Zum anderen haben diese Eingriffe in die und an den Gewässern dazu geführt, dass zunehmend Werte (z.B. private und gewerbliche Bauwerke, Infrastruktureinrichtungen wie Straßen und Schienen) in den überschwemmungsgefährdeten Gebiete angehäuft wurden, die jetzt nicht mehr oder nur noch mit erheblichem Aufwand geschützt werden können.
Mit anderen Worten: das Schadenspotential hat sich dadurch erheblich ausgeweitet. Dies gilt auch für die Auswirkungen auf die Gewässerqualität. Hier werden im Hochwasserfalle die Gewässer durch auslaufende Öltanks, sonstige Havarien von Anlagen, die mit wassergefährdenden Stoffen umgehen und durch Abschwemmung von Schadstoffen von erosionsgefährdeten landwirtschaftlichen Flächen belastet.
 

Hochwasserschutzkonzeption des Landes Sachsen-Anhalt bis 2010

Das Hochwasser im August 2002 im Einzugsgebiet der Elbe hat die Defizite des Hochwasserschutzes auch in Sachsen-Anhalt schonungslos deutlich gemacht. Darüber hinaus haben die Ereignisse im Sommer 2002 in Erinnerung gerufen, dass Hochwasser als Folge meteorologischer Ereignisse eine natürliche Ursache haben, somit Teil des natürlichen Wasserkreislaufes sind und mit ihnen immer gerechnet werden muss. Dies führte dazu, dass die Thematik "Hochwasser" wieder stärker in das Bewusstsein der Menschen gerückt ist.
Unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus diesem Hochwasser und insbesondere dessen volkswirtschaftlichem Schaden hat das Land Sachsen-Anhalt die Hochwasserschutzkonzeption des Landes Sachsen-Anhalt bis 2010 erarbeitet. Sie dient als Grundlage für die koordinierte Umsetzung eines wirksamen Maßnahmebündels für einen nachhaltigen, vorbeugenden Hochwasserschutz.
Sie setzt Schwerpunkte in der Stärkung des natürlichen Wasserrückhaltes in der Fläche, im technischen Hochwasserschutz und der Hochwasservorsorge. Sie beinhaltet u.a. Maßnahmen zur DIN-gerechten Sanierung der Deiche, trifft Aussagen zu Flutungspoldern, Hochwasserrückhaltebecken und Deichrückverlegungen, stellt Ziele für die Erarbeitung von Überschwemmungsgebietskarten und die Erhöhung der Retentionswirkung in der Fläche dar und legt die erforderlichen Maßnahmen zur Verbesserung von Hochwasservorhersage und -warnung fest. Dies wird durch Konzepte in den jeweiligen Flussgebieten untersetzt.
Die Fortschreibung der Hochwasserschutzkonzeption bis zum Jahr 2015 ist in Planung.
 

Hochwasserschutzanlagen

Die Hochwasserschutzanlagen in Sachsen-Anhalt haben eine sehr lange Tradition. Die Bemessung der meisten Deiche entspricht daher nur historischen Normativen.
Vor dem Hochwasser im August 2002 entsprachen nur 5% der 1343 km Deiche in Sachsen-Anhalt der Empfehlungen der DIN 19712 "Flussdeiche". Dies bedeutet aber keines Wegs, dass die Deiche nicht funktionssicher sind. Sie können, wie das Hochwasser im August 2002 bewiesen hat, durchaus Schutz bieten.
Dennoch ist dringender Handlungsbedarf bei der Deichsanierung geboten, um insbesondere den besiedelten Raum mit einem angemessenen Schutzniveau zu versehen. Das heißt nicht, dass ein Schutzniveau unbegrenzt ins Extreme geführt wird. Vielmehr ist ein vernünftiges Maß zu wählen. Darüber hinaus gehende Ereignisse sind dann mit besonderen Gefahrenabwehrmaßnahmen zu beherrschen.
 
Der Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt baut auf den 3 Säulen
  • Natürlicher Wasserrückhalt in der Fläche (Hochwasserflächenmanagement)
  • Technischer Hochwasserschutz
  • Hochwasservorsorge auf.
Natürlicher Wasserrückhalt bedeutet, das auf der Fläche der Einzugsgebiete und in den Gewässern und Auen anfallende Wasser am sofortigen Abfließen zu hindern. Jeder Kubikmeter Wasser, der nicht sofort zum Abfluss kommt, ist ein Gewinn für den Wasserhaushalt und eine Entlastung bei Hochwasser.
Die Anlagen des technischen Hochwasserschutzes sind Teil der Infrastruktur, wie Straßen, Energieversorgung und Telekommunikation, zum Nutzen der Bürger. Eine absolute Sicherheit kann nicht garantiert werden, insbesondere bei Überschreiten der zu Grunde gelegten Leistungsparameter. Mit Deichen, Rückhaltebecken und Talsperren werden bis zum Bemessungsfall verbesserte Nutzungsmöglichkeiten gewährleistet. Der Unterhaltung dieser Anlagen kommt eine besondere Bedeutung zu. Sie ist permanente Aufgabe und darf im Interesse der öffentlichen Sicherheit nicht vernachlässigt werden.
Die Hochwasservorsorge beinhaltet, sich auf die Gefahren, die von Hochwasser ausgehen können, einzustellen. Das gilt auch für den Fall, dass ein über die Bemessung der technischen Hochwasserschutzanlagen hinausgehendes oder noch höheres Hochwasser als das bisher bekannte auftritt. Die Hochwasservorsorge umfasst:
1.) Flächenvorsorge
Die Festsetzung von Überschwemmungsgebieten bietet z.B. die Möglichkeit, nur standortgerechte Nutzungen zuzulassen und eine weitere Bebauung dieser Gebiete zu verhindern.
2.) Bauvorsorge
Mit einer entsprechenden Anpassung vorhandener Bebauungen und Nutzungen können bei auftretenden Überschwemmungen Hochwasserschäden vermieden oder vermindert werden.
3.) Verhaltensvorsorge
Maßgeblich sind die Zeiträume zwischen dem Anlaufen eines Hochwassers und dem Eintritt der kritischen Hochwasserstände. Diese Zeiträume, die für die Schadensbegrenzung im Überflutungsfall zur Verfügung stehen, werden von den Möglichkeiten der Hochwasservorhersage vorgegeben. Ein gut organisierter Hochwassermeldedienst kann die Vorraussetzungen schaffen, um für das rechtzeitige Handeln Betroffener zu sorgen.
4.) Risikovorsorge
Für den Fall, dass trotz aller vorgenannten Strategien ein Hochwasserschaden eintritt, ist eine finanzielle Eigenvorsorge der Bürger empfehlenswert. Öffentliche Risikovorsorge, Eigenvorsorge und versicherungsgestützte Eigenvorsorge können jeweils bestimmte Segmente des Hochwasserrisikos abdecken.
 

Internationale Kommission zum Schutz der Elbe (IKSE)

Ein umfassender, vorbeugender Hochwasserschutz muss flussgebietsbezogen und unabhängig von Landes- und staatlichen Grenzen erfolgen. Hochwasserschutzinteressen an grenzüberschreitenden Gewässern sollten international und national koordiniert und der vorbeugende Hochwasserschutz nach einheitlichen Kriterien durchgeführt werden.

Auf internationaler Ebene war das Land Sachsen-Anhalt im Rahmen der Tätigkeit der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe (IKSE) bei der Erarbeitung des Aktionsplanes Hochwasserschutz Elbe umfassend beteiligt. Insofern ist sichergestellt, dass die im Aktionsplan enthaltenen Aufgaben und ziele des Hochwasserschutzes und der Hochwasservorsorge die Interessen des Landes Sachsen-Anhalt berücksichtigt. Ebenso war das Land Sachsen-Anhalt bei der Erstellung der Dokumentation des Hochwassers vom August 2002 im Einzugsgebiet der Elbe beteiligt.